Dienstag, 7. September 2010

Meine erste "Reise"


Letzten Montag war in Peru ein Feiertag. Das heißt, wir hatten anstatt nur Sonntag, noch einen Tag länger Wochenende. Also überlegten wir Freiwilligen einen kleinen Ausflug zu machen. Zuerst wollten wir ans Meer etwas außerhalb von Lima fahren. Letztendlich entschieden wir uns aber für einen Kurztrip nach Ica, einer Stadt fünf Stunden südlich von Lima. Eigentlich wollten wir in einer großen Gruppe fahren. Aber irgendwie kam es dann doch nur dazu dass Eva, Franzi, Valentino und ich uns auf den Weg machten. Samstag nach der Arbeit ging es los. Uns wurde der Tipp gegeben nicht zum Busbahnhof zu gehen, da der relativ weit weg ist, sondern uns direkt an die Autobahn zu stellen und einen vorbeifahrenden Bus anzuhalten. Anfangs kamen wir uns ziemlich planlos und verloren vor und beobachteten erstmal die Peruaner die das Selbe vorhatten wie wir. Nach einer Zeit hatten wir dann aber raus gefunden wie es geht und winkten jedem etwas größeren Bus zu oder rannten ihm hinterher um ihn anzuhalten. Leider hatten wir wenig Erfolg. Die einzigen Busse die anhielten und dann auch nach Ica fuhren, hatten höchstens drei Plätze frei. Also standen wir vier fast zwei Stunden am Straßenrand. Eigentlich war es ziemlich lustig und wir hatten den Ehrgeiz jetzt endlich einen Bus zu erwischen. Letztendlich entschieden wir uns dann aber dafür doch zum Busbahnhof zu fahren. Leider ist es nicht so dass alle Busunternehmen ein gemeinsames Gebäude haben, sondern jede sein eigenes. Immerhin liegen diese nah beieinander. Wir liefen also von einem Unternehmen zum anderen und versuchten jetzt endlich einen Bus nach Ica zu bekommen. Da es jetzt aber schon ziemlich spät war fuhren keine Busse mehr. Beim allerletzten Busunternehmen hat es dann doch noch geklappt und wir kamen nach drei Stunden Bussuche endlich aus Lima los. Ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben und mich auf ein Wochenende in Lima eingestellt.

Nach fünf Stunden kamen wir in Ica an. Da war es bereits nach 23h und wir hatten noch keinen Plan wo wir schlafen sollten. Wir nahmen uns ein Taxi um in das 5 km entfernte Huacachina zu fahren, einer kleinen Oase in der Wüste. Da sollte es nämlich mehrere günstige Hostals geben. Leider mussten wir schnell feststellen dass wegen dem verlängerten Wochenende alles ausgebucht war. Unser Taxifahrer Antonio war aber ziemlich cool half uns bei unserer Suche. Ohne Erfolg. Also ging es wieder zurück nach Ica. Hier hatten wir dann nach einigen abgeklapperten Hostals Glück. Unsere Unterkunft war ziemlich schäbig, aber jedenfalls sehr günstig.
Unser lieber Taxifahrer hat uns dann noch für den nächsten Tag eine Bootstour zu den Islas Ballestas angedreht. Da wollten wir sowieso hin und ich glaube dass der Preis auch echt gut war. Die Islas Ballestas gehören zur Wüstenstadt Paracas und bieten für viele verschiedene Tiere, wie Seelöwen, Pinguinen und Flamingos Lebensraum. Bei der Bootstour kann man diese alle sehen.
Wie versprochen stand Antonio dann morgens um 7 vor der Tür um uns abzuholen. Mit dem Taxi ging es in einer Stunde nach Paracas, Ausgangspunkt der Bootstour.
Die Bootstour war sehr schön, vor allem weil wir im Gegensatz zu Lima, endlich mal richtig tolles Wetter hatten. Leider war es sehr touristisch.
Nach einem kleinen, teuren Frühstück ging’s mit Antonio zurück nach Ica, Huacachina. In einem kleinen “Verleih“ liehen wir uns Sandboards. Der Verleiher wollte weniger als einen Euro pro Brett und wir mussten auch kein Pfand da lassen. Wir hätten also die Boards einfach mitgehen lassen können. Wahrscheinlich waren die Bretter aber auch nicht mehr Wert als einen Euro.
Mit den Brettern ging es dann die Sanddünen hoch. Es war mittlerweile echt heiß und man kam ganz schön ins Schnaufen.
Das Boarden hat leider nicht ganz so gut geklappt, da es oft nicht in Schwung kam und man andauernd das Brett nachwachsen musste. Außerdem wurde man in der Hitze immer kraftloser die Berge hoch zustapfen. Trotzdem hat es sich gelohnt und wir hatten Spaß.
Eigentlich hatten wir geplant noch eine Nacht in Pisco zu verbringen und erst am Montagabend wieder nach Lima zurückzufahren. Aber das Geld wurde knapp. Und ich fand es gar nicht so schlecht noch einen freien Tag in Lima zu haben. Also fuhren wir Sonntagabend zurück nach Hause.

Freitag, 3. September 2010


Buenos días a todos,

endlich melde ich mich mal wieder aus dem fernen Peru! Ich bin jetzt schon seit drei Wochen hier und lebe mich so langsam ein. Mit der Sprache klappt es auch schon besser. Das ist echt schön, hin und wieder mal ein Erfolgserlebnis zu haben und zu merken dass man wieder ein klein wenig dazu gelernt hat. Zumal das hier gar nicht so einfach ist weil ich ja viel mit anderen deutschen Freiwilligen zusammen bin und so nach Arbeitsende nicht unbedingt Spanisch reden muss.

Ich erzähle euch jetzt mal ein bisschen was von meinem Arbeitsalltag hier im Colegio San Christoferus. Es ist zwar noch immer so dass ich nicht komplett eingearbeitet bin und noch viel beobachten muss und so nicht genau sagen kann wie hier der ganz normale Ablauf ist, aber ich kann ja einfach mal berichten was ich bis jetzt weiß:
Die Schule wird von etwa 35 Schülern besucht. Einige von ihnen haben starke geistige Behinderungen und sind auf viel Hilfe angewiesen, andere wiederum sind sehr fit und eigenständig.
Die Schüler sind nach Alter und teilweise auch nach Stärke ihrer Behinderung eingeteilt. Insgesamt gibt es fünf Klassen. Der Tag läuft in jeder Klasse anders ab. Ich arbeite in der Holzwerkstatt-Klasse. Mit dem Lehrer Viktor, betreue ich sechs Schüler im Alter von 17 bis 24.
Mein Arbeitstag beginnt um 7.50h wenn die ersten Schüler eintrudeln. Da sich unser Praktikantenhaus ja direkt auf dem Schulgelände befindet muss ich dann auch erst aus der Haustür treten.
Nach einem gemeinsamen Morgenkreis verbringen die Schüler den Vormittag in ihren Klassen. In der Holzwerkstatt haben wir in der kurzen Zeit in der ich hier bin hauptsächlich an der Herstellung von Kerzen gearbeitet, die später auf dem Schulbasar verkauft werden.
Mittag essen alle Schüler und Lehrer gemeinsam. Es gibt wirklich jeden Tag Reis und Kartoffeln. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und eintönig, aber bis jetzt schmeckt’s mir (wir haben ja auch noch das Wochenende an dem wir uns selber verpflegen müssen und endlich mal ohne schlechtes Gewissen ganz einfach Nudeln kochen können).
Um 14h ist offizieller Schulschluss. Bis aber alle Schüler abgeholt sind dauert es meistens länger. Nach einer sehr kleinen Pause geht die Arbeit um 14.15h weiter. Den Nachmittag verbringen wir Praktikanten bis 16.30h im Biogarten. Die Arbeit macht wirklich Spaß und ist eine gute Abwechslung zum Vormittag. Leider ist es aber so dass wir auch am Samstag von 8h bis 13h im Garten arbeiten müssen. Das ist echt viel und sehr anstrengend, da man nur einen freien Tag zum Ausschlafen und neue Energie tanken hat. Wir wollen versuchen da noch eine Alternative zu finden….

Das Leben im Praktikantenhaus ist ziemlich cool. Wir wohnen hier bis jetzt zu neunt. Es kommen aber noch zwei dazu, die aber eigentlich keinen Platz haben. Da müssen wir uns noch was ausdenken. Ich denke dass es daraus hinauslaufen wird dass zwei von uns in Gastfamilien gehen. Das kann ich mir eigentlich auch ganz gut vorstellen. Da würde ich das peruanische Leben noch ein bisschen intensiver mitbekommen. Aber ich bin noch ziemlich unschlüssig da es mir in der WG so gut gefällt. Im Laufe des Jahres werde ich aber früher oder später sicherlich mal in einer Familie wohnen.
Im Haus gibt es vier Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Alle Zimmer haben ein Bad mit Klo und Dusche. Die Dusche von Katharina und mir hat leider nur kaltes Wasser, aber wir können im Nebenzimmer warm duschen.
Dann haben wir ein großes Wohnzimmer und eine Küche. Gestern haben wir erstmal alle zusammen einen Großputz gemacht und die Unordnung die wir vorgefunden haben beseitigt. Jetzt ist es hier richtig gemütlich und auch relativ sauber.
Leider ist es im Moment ziemlich kalt. Es ist ja auch noch Winter. Und es gibt natürlich keine Heizung, was auch eigentlich nicht das Problem ist. Aber das Haus ist halt ziemlich undicht und der Wind pfeift durch die geschlossenen Fenster.
Aber die paar Wochen bis zum Sommeranfang überstehen wir schon! Das ist ein schöner Gedanke dass es jetzt nur besser werden kann und wir dann bald ins Meer springen und die längsten Wellen der Welt genießen können. Ich hab mir ja fest vorgenommen Surfen zu lernen. Das wird toll!!

Ich wünsch euch ein schönes Wochenende!!
Hasta luego,
Sophie