Montag, 20. Dezember 2010

Lebenszeichen aus Lima


Viele Grüße aus dem sommerlichen Lima:) So langsam wird’s dann doch wärmer. Ich hab schon fast nicht mehr dran geglaubt. Jetzt kommt die Sonne schon fast jeden Tag raus. Voll schön!
Leider kommt so einfach überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Wir versuchen es zwar fleißig mit Plätzchen, Weihnachtsliedern und Glühwein, aber es klappt nicht. Also wird’s dieses Jahr einfach mal ganz anders. Irgendwie freu ich mich auch darauf. Am 24. feiern wir Praktikanten mit dem Hausmeister und seiner Familie. Die sind total nett und es wird bestimmt ein schönes Weihnachten:)
Und am 25. geht’s dann los auf Reisen. Ich habe heute mein Ticket nach Arequipa, 18 Stunden südlich von Lima, gekauft. Von da aus geht’s dann voraussichtlich nach Cusco, das zweite Mal (es war sooo toll), um dort Silvester zu feiern. Wie es dann weiter geht weiß ich noch nicht. Ich hoffe nur dass es weiter geht und ich nicht für den Rest der Ferien in Cusco hängen bleibe;)

Am Freitag war der letzte Schultag vor den zweieinhalb Monaten Sommerferien. Ich kann mir das gerade gar nicht vorstellen meine Schüler so lange nicht zu sehen. Irgendwie ist das schon traurig. Vor allem weil meine Klasse aufgelöst wird. Mein Lehrer wird ab nächstem Jahr die Verwaltung der Schule übernehmen und kann deswegen seine Klasse nicht mehr betreuen. Aus finanziellen Gründen wird kein neuer Lehrer eingestellt und die Schüler aus Victors Klasse werden auf die anderen Klassen aufgeteilt. Wo ich arbeiten werde weiß ich noch nicht. Typisch peruanisch werde ich das wahrscheinlich auch erst am ersten Tag nach den Ferien erfahren;)
Vor ein paar Wochen habe ich mich noch auf diese Veränderung gefreut. Es gefiel mir zwar schon in meiner Klasse, aber ich habe mich darauf gefreut noch mal was anderes kennen zu lernen. Mittlerweile bin ich eher traurig darüber dass die Klasse aufgelöst wird. Ich habe meine Schüler so ins Herz geschlossen und mit Victor hat es auch gut geklappt.
Naja was soll’s, ich bin gespannt darauf wie es dann nächstes Jahr wird...

Generell kommen die Ferien jetzt ziemlich gelegen. Bei mir ist die Luft echt raus. Und man merkt, dass auch die Lehrer keine Motivation mehr haben. Die letzten Tage haben wir eigentlich darauf gewartet dass die Zeit umgeht und die Schüler wurden nur so halbherzig beschäftigt.
Gestern gab es zum Abschluss noch die Aufführung der ‚Pastorela’, einem Weihnachtsspiel mit den Schülern. Wir haben die letzten Wochen dafür geprobt. Und es hat letztendlich auch ganz gut geklappt. Ein paar von uns Praktikanten haben die musikalische Begleitung gemacht. Ich habe seid vielen, vielen Jahren mal wieder Geige gespielt. Und es hat echt Spaß gemacht:)

Insgesamt waren die letzten vier Monate sehr schön. Ich habe mich komplett eingelebt und fühle mich zuhause. Leider vergeht die Zeit so schnell. Ich habe Angst dass das Jahr viel zu schnell um ist. Ich versuche aber nicht daran zu denken und genieße jeden Tag. Und natürlich gibt es ja auch ganz viele tolle Sachen auf die ich mich zuhause freue, nech meine Lieben:)

Ok ich wünsche euch wunderschöne Weihnachten!! Feliz Navidad!!
Eure Sophie

Sonntag, 24. Oktober 2010

Sophie auf Reisen

Ich bin wieder da! Nach einer wunderschönen Woche Urlaub…
Letzten Donnerstag war es endlich soweit, der letzte Schultag und damit der Beginn der ersten Ferien. Nach Schulschluss wurden noch schnell die letzten Sachen gepackt und dann ging es für Jule, Franzi, Eva, Katharina, Sandra, Elena und mich los. Die Bustickets hatten wir ein paar Tage vorher gekauft. Nach dem Kauf, hörten wir leider nur noch schlechtes von unserer Busgesellschaft (viele Unfälle, schlechtes Essen, etc...). Also war mir dann doch etwas mulmig zumute, zumal der Bus auch nicht besonders gut aussah.
Die fast 24-stündige Fahrt nach Cusco verlief aber gut, davon abgesehen dass es entweder zu kalt oder zu heiß im Bus war. Mit der Höhe (der höchste Pass war um die 5000 Meter) hatte ich glücklicherweise auch keine Probleme.
Nach unserer Ankunft ging es dann abends gleich ins cusquena Nachtleben. Ein Freund unseres Mitbewohners hier in Lima, wollte sich ein bisschen um uns kümmern, und nahm uns erstmal mit zu seinem Konzert. Da lernten wir ein paar andere coole Leute kennen, mit denen wir fast die ganze Woche verbrachten.

Wenn man schon mal in Cusco ist, muss man sich natürlich auch einige Inka-Ruinen angucken. So ging es am Sonntag zur Ruine Saqsaywamán, die oberhalb Cuscos liegt. Da der Eintritt sehr hoch ist, entschieden wir uns ganz früh morgens zu gehen wo noch niemand an der Kasse sitzt. Also wanderten wir um 5 Uhr nach einer durchfeierten Nacht zur Ruine um diese kostenlos zu besichtigen. Leider war das Wetter echt schlecht und wir hielten es völlig durchnässt nicht lange aus. Trotzdem war es ein schöner Ausflug! Und nach einer warmen Dusche und einem Frühstück im (überteuerten) Hostal, sah die Welt auch wieder gut aus :)

Nach drei Tagen in Cusco, fuhren Katharina und ich nach Santa Maria, um von dort aus zum Maccu Picchu zu wandern. Geplant war noch am selben Tag los zu wandern. Da wir jedoch erst am späten Nachmittag in Santa Maria ankamen (wegen einer Felssprengung war die Straße zwei Stunden gesperrt), lohnte es sich nicht mehr los zu wandern. Generell waren wir etwas überfordert, da wir keine Ahnung hatten wie und wie lange die Tour ist und wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Als wir nun so verloren im Dörfchen Santa Maria standen, lernten wir unseren Retter Daniel kennen. Er erzählte uns ein bisschen was über die Wanderroute und sagte, dass ein Freund am nächsten Tag mit einer Gruppe aufbrechen würde und wir uns da ja einfach anschließen könnten, was wir auch taten.


So im Plausch, erzählte Daniel, dass er abends noch mit zwei anderen auf dem Urubamba eine Raftingtour machen wolle. Wir schlossen uns kurzer Hand an. Es war echt lustig, wobei es manchmal nicht ohne war, wenn das Boot von einer Welle überspült wurde oder man auf einen Stein zuraste. An einer ruhigeren Stelle konnten wir auch baden. Dabei bin ich leider gegen einen Stein geknallt und habe mein Schienbein aufgeschlagen. Die Wunde war schon ziemlich tief und hätte, denke ich, eigentlich genäht werden müssen, was ich da aber ignorierte (ich wollte doch unbedingt wandern!!). Außerdem hätte es in diesem Dorf eh keinen Arzt gegeben….
Am nächsten Morgen, ging es dann mit einer Schmerztablette und zusammengebissenen Zähnen los. Bis Aguas Calientes, dem Dorf unterhalb von Maccu Picchu, wanderten wir zwei Tage. Dabei gings unter anderem durch Bergurwald, was schon ganz cool war. Leider konnten wir kaum Tiere sehen, was wahrscheinlich vor allem daran lag, dass wir mit einer großen Gruppe unterwegs waren und dementsprechend Lärm machten.
In Aguas Calientes verbrachten wir eine Nacht und wanderten morgens um 5 Uhr zum Maccu Picchu, um den Sonnenaufgang in der Ruine mitzubekommen, was sich auch echt lohnte. Nach einem schönen Tag, gings dann mit Bus und Bahn wieder zurück nach Cusco, wo wir noch zwei Tage verbrachten.


Die Rückfahrt verlief wieder super (diesmal mit einer anderen Busgesellschaft;)) und war über drei Stunden kürzer als die Hinfahrt. Das merkte man aber auch am Fahrstil: ich musste beim Schlafen meine Füße unterhaken um in den Kurven (es gab ungefähr 500 Millionen) nicht vom Sitz zu fallen. Während ich aus dem Fenster guckte und neben mir eine 2000 Meter Schlucht sah, fragte ich mich ob diese Busgesellschaft wirklich besser ist als die letzte…

Nun bin ich wieder in Lima und trauere ein bisschen den Ferien hinterher, die wirklich wunderschön waren!!!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Es ist wieder viel Zeit vergangen seit dem letzten Bericht. Das tut mir Leid!! Aber es ist echt schwer hier mal eine ruhige Minute zu finden. Man sitzt zwar schon oft am Computer, da wir hier ja wlan haben, aber meistens reicht die Ruhe dann nur um kurz mal Mails zu checken.

Zu erst einmal: mir geht es sehr gut!! Wie eigentlich schon die ganze Zeit. Ich warte immer schon darauf dass der Alltagstrott kommt und mich in ein Loch reißt. Aber so ist es nicht und das ist ja gut. Und vielleicht kommt dieses Loch ja gar nicht wie angesagt. Man kann ja auch mal die Ausnahme sein:)
Die Arbeit läuft auch gut. Anfangs war ich etwas unzufrieden, da der Schultag hier sehr locker abläuft, also dass es auch mal dazu kommen kann dass man sich die Zeit vertreiben muss. Damit konnte ich zuerst nicht umgehen, da ich hoch motiviert und voller Tatendrang hier ankam und dann etwas enttäuscht davon war, dass es halt auch mal Momente gibt in denen es nicht viel zu tun gibt und ich nicht unbedingt gebraucht werde.
Mittlerweile ist es so, dass ich mich denke ich zum einen an diesen lockeren Ablauf gewöhnt habe und zum anderen selber Sachen in die Hand nehmen kann wenn ich möchte. Also liegt es nun teilweise an mir was mit der Klasse gemacht wird. Das ist ja eigentlich sehr gut weil ich meine eigenen Ideen gut einbringen kann. Doch am Anfang war gerade das das Problem, da ich nicht damit gerechnet hatte mehr als nur Hilfskraft zu sein. Ich habe mir aber vorgenommen was aus meinen Freiheiten zu machen…

Nächste Woche sind erstmal Schulferien. Wir Freiwilligen haben in unserem Jahr insgesamt vier Wochen Ferien. Eigentlich war die Planung, dass wir die kompletten vier Wochen im Januar nehmen. Da ich aber unbedingt wandern möchte und im Januar Regenzeit ist, also schlechte Bedingungen in den Bergen sind, habe ich nun eine Woche Oktoberferien. Die meisten meiner Mitbewohner machen das ebenfalls so. Also geht es für uns nun in weniger als einer Woche auf zu unserer ersten großen Reise. Die Planung ist, dass wir am Donnerstag nach der Arbeit nach Cusco aufbrechen. Der Bus braucht in etwa 22 Stunden. Die meisten davon in den Bergen und in enormer Höhe. Mal schauen wie es uns ergeht.
Von Cusco aus wollen wir eine mehrtägige Wanderung machen. Die Strecke ist noch nicht klar. Da wir voraussichtlich zu acht sind, haben wir beschlossen in kleineren Gruppen zu wandern da es sonst einfach zu stressig wird. Mit wem ich dann unterwegs bin ist auch noch nicht klar.
Ihr merkt schon dass das alles ein bisschen ungeplant ist. Aber soviel planen kann man da auch glaube ich nicht. Die Reiseführer und Erfahrungsberichte erzählen auch alle was anderes über die verschiedenen Routen. Also werden wir einfach vor Ort gucken wie es weiter geht.
Abgesehen von der Wanderung möchte ich auf jeden Fall einige Tage in Cusco bleiben. Ob ich Maccu Piccu besuche weiß ich noch nicht, da es unglaublich touristisch und teuer ist. Da soll es einige genauso schöne Alternativen geben.
Ach ja…ich freu mich so!! Besonders auf meinen tollen neuen Wanderrucksack der jetzt endlich zum Einsatz kommt:D Das wird toll!!
In ein paar Wochen könnt ihr dann meinen, hoffentlich positiven Reisebericht lesen:)







Soo, und jetzt noch ein besonderes Erlebnis vom letzten Wochenende:
Caren, ebenfalls eine Praktikantin aus Deutschland, hat mich letzten Sonntag mit zu einem ihrer Projekte genommen. Es handelte sich um Hilfe in einem Armenviertel Limas.
Zusammen mit einer Schulklasse, die dieses Projekt unterstützt, ging es für uns morgens los ins Armenviertel Villa Maria. Die Armenviertel, genannt ‚pueblo jovenes’, befinden sich auf Hügeln rundherum um Lima. Sie werden jeden Tag größer, da tausende arbeitssuchende Menschen aus den Dörfern dazu kommen und ihr ‚Haus’ am äußersten Stadtrand aufbauen.
Normalerweise sieht man diese Hügel nur von weitem, da es keinen Grund gibt, bzw. einige dagegen, dort hinzufahren. Über das Projekt hatte ich nun die Möglichkeit dieses Leben einmal aus der Nähe sehen zu können.
Das letzte Stück bis zu unserem Ziel mussten wir zu Fuß gehen, da die „Straßen“ nicht für Busse geeignet sind. Die einzigen Verkehrsmittel die man jetzt noch gesehen hat waren Motos und vereinzelte Taxis.
Die „Häuser“ waren alle sehr schäbig. Es gab keine Steinhäuser, sonder kleine Hütten die aus allen möglichen Materialien zusammengesetzt waren. Die Dächer bestanden aus Wellblech. Das zu sehen ist irgendwie schon erschütternd. Ich kann obwohl ich es jetzt gesehen habe, immer noch nicht realisieren, dass viele Menschen so leben. Es ist auf jeden Fall bewundernswert. Die Verhältnisse sind so was von einfach. Es gibt kein fließend Wasser, die Hauswände, wenn es denn welche gibt, sind einige Millimeter dick, und das Nachbarhaus steht wenn’s hochkommt einige Meter entfernt.

Unser Projekt bestand darin eine Mauer aus Autoreifen an einen Hang zu bauen, um diesen zu stabilisieren und so einige Hütten vor Erdrutschen zu schützen. Wir arbeiteten Hand in Hand mit den „Dorfbewohnern“. Das war ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Generell habe ich mich sehr wohl gefühlt, was ich nicht gedacht hätte. Ich dachte, dass es sehr gefährlich und fremd für mich in diesem Viertel wird, da hier ja die ärmsten der Ärmsten leben. Es war aber überraschenderweise überhaupt nicht so. Ich habe mich sicherer gefühlt als in so manchem anderen Stadtteil von Lima. Außerdem habe ich mich willkommen gefühlt. Die Menschen haben mich nicht so angestarrt wie es sonst in Lima ist.
Ich habe das Gefühl dass die Gemeinschaft in diesen Dörfern sehr groß ist. Die Bewohner helfen sich gegenseitig, was in unserer Gesellschaft ja eher nicht der Fall ist. So ist es in Villa Maria so, dass sich die Bewohner jeden Sonntag treffen um an der Infrastruktur ihres Dorfes zu arbeiten. Da ich ja am Sonntag da war, konnte ich sehen wie das ganze Dorf auf den Beinen war und gearbeitet hat. Da wurde zum Beispiel ein Strommast aufgestellt und die Wege wurden von Schutt befreit. Die Stimmung war entspannt und locker. Damit hatte ich nicht gerechnet, da ich von viel Kriminalität und Gewalt und damit von eher schlechter Stimmung ausgegangen war. So war ich positiv überrascht und sehr beeindruckt, dass trotz harter Arbeit eine entspannte Stimmung in der Luft lag.

Dienstag, 7. September 2010

Meine erste "Reise"


Letzten Montag war in Peru ein Feiertag. Das heißt, wir hatten anstatt nur Sonntag, noch einen Tag länger Wochenende. Also überlegten wir Freiwilligen einen kleinen Ausflug zu machen. Zuerst wollten wir ans Meer etwas außerhalb von Lima fahren. Letztendlich entschieden wir uns aber für einen Kurztrip nach Ica, einer Stadt fünf Stunden südlich von Lima. Eigentlich wollten wir in einer großen Gruppe fahren. Aber irgendwie kam es dann doch nur dazu dass Eva, Franzi, Valentino und ich uns auf den Weg machten. Samstag nach der Arbeit ging es los. Uns wurde der Tipp gegeben nicht zum Busbahnhof zu gehen, da der relativ weit weg ist, sondern uns direkt an die Autobahn zu stellen und einen vorbeifahrenden Bus anzuhalten. Anfangs kamen wir uns ziemlich planlos und verloren vor und beobachteten erstmal die Peruaner die das Selbe vorhatten wie wir. Nach einer Zeit hatten wir dann aber raus gefunden wie es geht und winkten jedem etwas größeren Bus zu oder rannten ihm hinterher um ihn anzuhalten. Leider hatten wir wenig Erfolg. Die einzigen Busse die anhielten und dann auch nach Ica fuhren, hatten höchstens drei Plätze frei. Also standen wir vier fast zwei Stunden am Straßenrand. Eigentlich war es ziemlich lustig und wir hatten den Ehrgeiz jetzt endlich einen Bus zu erwischen. Letztendlich entschieden wir uns dann aber dafür doch zum Busbahnhof zu fahren. Leider ist es nicht so dass alle Busunternehmen ein gemeinsames Gebäude haben, sondern jede sein eigenes. Immerhin liegen diese nah beieinander. Wir liefen also von einem Unternehmen zum anderen und versuchten jetzt endlich einen Bus nach Ica zu bekommen. Da es jetzt aber schon ziemlich spät war fuhren keine Busse mehr. Beim allerletzten Busunternehmen hat es dann doch noch geklappt und wir kamen nach drei Stunden Bussuche endlich aus Lima los. Ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben und mich auf ein Wochenende in Lima eingestellt.

Nach fünf Stunden kamen wir in Ica an. Da war es bereits nach 23h und wir hatten noch keinen Plan wo wir schlafen sollten. Wir nahmen uns ein Taxi um in das 5 km entfernte Huacachina zu fahren, einer kleinen Oase in der Wüste. Da sollte es nämlich mehrere günstige Hostals geben. Leider mussten wir schnell feststellen dass wegen dem verlängerten Wochenende alles ausgebucht war. Unser Taxifahrer Antonio war aber ziemlich cool half uns bei unserer Suche. Ohne Erfolg. Also ging es wieder zurück nach Ica. Hier hatten wir dann nach einigen abgeklapperten Hostals Glück. Unsere Unterkunft war ziemlich schäbig, aber jedenfalls sehr günstig.
Unser lieber Taxifahrer hat uns dann noch für den nächsten Tag eine Bootstour zu den Islas Ballestas angedreht. Da wollten wir sowieso hin und ich glaube dass der Preis auch echt gut war. Die Islas Ballestas gehören zur Wüstenstadt Paracas und bieten für viele verschiedene Tiere, wie Seelöwen, Pinguinen und Flamingos Lebensraum. Bei der Bootstour kann man diese alle sehen.
Wie versprochen stand Antonio dann morgens um 7 vor der Tür um uns abzuholen. Mit dem Taxi ging es in einer Stunde nach Paracas, Ausgangspunkt der Bootstour.
Die Bootstour war sehr schön, vor allem weil wir im Gegensatz zu Lima, endlich mal richtig tolles Wetter hatten. Leider war es sehr touristisch.
Nach einem kleinen, teuren Frühstück ging’s mit Antonio zurück nach Ica, Huacachina. In einem kleinen “Verleih“ liehen wir uns Sandboards. Der Verleiher wollte weniger als einen Euro pro Brett und wir mussten auch kein Pfand da lassen. Wir hätten also die Boards einfach mitgehen lassen können. Wahrscheinlich waren die Bretter aber auch nicht mehr Wert als einen Euro.
Mit den Brettern ging es dann die Sanddünen hoch. Es war mittlerweile echt heiß und man kam ganz schön ins Schnaufen.
Das Boarden hat leider nicht ganz so gut geklappt, da es oft nicht in Schwung kam und man andauernd das Brett nachwachsen musste. Außerdem wurde man in der Hitze immer kraftloser die Berge hoch zustapfen. Trotzdem hat es sich gelohnt und wir hatten Spaß.
Eigentlich hatten wir geplant noch eine Nacht in Pisco zu verbringen und erst am Montagabend wieder nach Lima zurückzufahren. Aber das Geld wurde knapp. Und ich fand es gar nicht so schlecht noch einen freien Tag in Lima zu haben. Also fuhren wir Sonntagabend zurück nach Hause.

Freitag, 3. September 2010


Buenos días a todos,

endlich melde ich mich mal wieder aus dem fernen Peru! Ich bin jetzt schon seit drei Wochen hier und lebe mich so langsam ein. Mit der Sprache klappt es auch schon besser. Das ist echt schön, hin und wieder mal ein Erfolgserlebnis zu haben und zu merken dass man wieder ein klein wenig dazu gelernt hat. Zumal das hier gar nicht so einfach ist weil ich ja viel mit anderen deutschen Freiwilligen zusammen bin und so nach Arbeitsende nicht unbedingt Spanisch reden muss.

Ich erzähle euch jetzt mal ein bisschen was von meinem Arbeitsalltag hier im Colegio San Christoferus. Es ist zwar noch immer so dass ich nicht komplett eingearbeitet bin und noch viel beobachten muss und so nicht genau sagen kann wie hier der ganz normale Ablauf ist, aber ich kann ja einfach mal berichten was ich bis jetzt weiß:
Die Schule wird von etwa 35 Schülern besucht. Einige von ihnen haben starke geistige Behinderungen und sind auf viel Hilfe angewiesen, andere wiederum sind sehr fit und eigenständig.
Die Schüler sind nach Alter und teilweise auch nach Stärke ihrer Behinderung eingeteilt. Insgesamt gibt es fünf Klassen. Der Tag läuft in jeder Klasse anders ab. Ich arbeite in der Holzwerkstatt-Klasse. Mit dem Lehrer Viktor, betreue ich sechs Schüler im Alter von 17 bis 24.
Mein Arbeitstag beginnt um 7.50h wenn die ersten Schüler eintrudeln. Da sich unser Praktikantenhaus ja direkt auf dem Schulgelände befindet muss ich dann auch erst aus der Haustür treten.
Nach einem gemeinsamen Morgenkreis verbringen die Schüler den Vormittag in ihren Klassen. In der Holzwerkstatt haben wir in der kurzen Zeit in der ich hier bin hauptsächlich an der Herstellung von Kerzen gearbeitet, die später auf dem Schulbasar verkauft werden.
Mittag essen alle Schüler und Lehrer gemeinsam. Es gibt wirklich jeden Tag Reis und Kartoffeln. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und eintönig, aber bis jetzt schmeckt’s mir (wir haben ja auch noch das Wochenende an dem wir uns selber verpflegen müssen und endlich mal ohne schlechtes Gewissen ganz einfach Nudeln kochen können).
Um 14h ist offizieller Schulschluss. Bis aber alle Schüler abgeholt sind dauert es meistens länger. Nach einer sehr kleinen Pause geht die Arbeit um 14.15h weiter. Den Nachmittag verbringen wir Praktikanten bis 16.30h im Biogarten. Die Arbeit macht wirklich Spaß und ist eine gute Abwechslung zum Vormittag. Leider ist es aber so dass wir auch am Samstag von 8h bis 13h im Garten arbeiten müssen. Das ist echt viel und sehr anstrengend, da man nur einen freien Tag zum Ausschlafen und neue Energie tanken hat. Wir wollen versuchen da noch eine Alternative zu finden….

Das Leben im Praktikantenhaus ist ziemlich cool. Wir wohnen hier bis jetzt zu neunt. Es kommen aber noch zwei dazu, die aber eigentlich keinen Platz haben. Da müssen wir uns noch was ausdenken. Ich denke dass es daraus hinauslaufen wird dass zwei von uns in Gastfamilien gehen. Das kann ich mir eigentlich auch ganz gut vorstellen. Da würde ich das peruanische Leben noch ein bisschen intensiver mitbekommen. Aber ich bin noch ziemlich unschlüssig da es mir in der WG so gut gefällt. Im Laufe des Jahres werde ich aber früher oder später sicherlich mal in einer Familie wohnen.
Im Haus gibt es vier Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Alle Zimmer haben ein Bad mit Klo und Dusche. Die Dusche von Katharina und mir hat leider nur kaltes Wasser, aber wir können im Nebenzimmer warm duschen.
Dann haben wir ein großes Wohnzimmer und eine Küche. Gestern haben wir erstmal alle zusammen einen Großputz gemacht und die Unordnung die wir vorgefunden haben beseitigt. Jetzt ist es hier richtig gemütlich und auch relativ sauber.
Leider ist es im Moment ziemlich kalt. Es ist ja auch noch Winter. Und es gibt natürlich keine Heizung, was auch eigentlich nicht das Problem ist. Aber das Haus ist halt ziemlich undicht und der Wind pfeift durch die geschlossenen Fenster.
Aber die paar Wochen bis zum Sommeranfang überstehen wir schon! Das ist ein schöner Gedanke dass es jetzt nur besser werden kann und wir dann bald ins Meer springen und die längsten Wellen der Welt genießen können. Ich hab mir ja fest vorgenommen Surfen zu lernen. Das wird toll!!

Ich wünsch euch ein schönes Wochenende!!
Hasta luego,
Sophie

Mittwoch, 18. August 2010

Gruß von der anderen Erdhalbkugel

Hey meine Lieben,

ich bin am Freitag nach einem sehr anstrengenden Flug gut in Peru angekommen! Vom Flughafen ging es dann mit dem Taxi zum Colegio San Christoferus. Da mir schon so einige Horrorgeschichten übers Taxifahren erzählt wurden, also dass man leicht überfallen wird, die Tür aufgerissen und die Tasche geklaut wird, hatte ich ziemliche Panik. Zumal sich in diesem Taxi ALLE meine Sachen, von Kleidung bis zu irgendwelchen wichtigen Dokumenten befanden. Es ist aber alles gut gegangen und wir (Valentino und ich) sind heil in unserem neuen Zuhause angekommen.
Unser Praktikantenhaus befindet sich auf dem Gelände der Schule. Insgesamt wohnen wir hier zu neunt. Bis jetzt verstehen wir uns alle gut und das Leben in so einer WG macht Spaß. Aber es wird bestimmt noch den einen oder anderen Moment geben in dem man sich ein eigenes Zimmer und seine Ruhe wünscht.

In den letzten Tagen hatte ich nun ein bisschen Zeit die Stadt zu erkunden. Lima ist riesig und total unübersichtlich. Im Moment hab ich großen Zweifel ob ich mich hier jemals zurecht finden werde. Aber vielleicht sehe ich das nach einem Monat schon ganz anders.
Chorrillos, der Stadtteil in dem ich wohne, ist relativ arm. Es ist hier überall ziemlich heruntergekommen und dreckig. Außerdem stinkt es. Entweder vergammelt oder nach Abgasen. Aber daran gewöhnt man sich.
Über den Rest der Stadt kann ich noch nicht so viel sagen da ich leider noch nicht soviel außerhalb Chorrillos rumgekommen bin.

Hier in Lima bewegt man sich hauptsächlich mit dem Taxi oder dem Bus fort. Die Verkehrsmittel sind sehr billig. Für eine halbe Stunde Taxi fahren zahlt man 8- 10 Soles, was umgerechnet 2, 50 € sind. Hinzu kommt, dass es völlig egal ist wie viele Leute mitfahren. Also kommen immer so viele mit wie rein passen. Wir haben es schon zu siebt geschafft…
Ich bin mir gar nicht sicher ob es hier überhaupt Verkehrsregeln gibt. Wenn es so ist werden sie jedenfalls nicht beachtet. Alle fahren total rücksichtslos und bei jeder Kleinigkeit wird gehupt. Ampeln und Zebrastreifen werden nicht beachtet. Als Fußgänger muss man total darauf achten nicht überfahren zu werden. Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen. In Deutschland ist es ja normal einfach mal loszugehen und darauf zu vertrauen dass die Autos anhalten. Hier ist es halt nicht so…

Ich habe jetzt drei Arbeitstage hinter mir. Das ist leider zu wenig um schon sagen zu können wie es ist. Was ich bis jetzt mitbekommen habe ist aber ganz gut. Meine Kollegen sind alle sehr nett und die Arbeit mit den Schülern macht Spaß. Ich werde dann im nächsten Bericht denke ich mehr schreiben können.

Liebe Grüße und bis bald in 360 Tagen,
eure Sophie

Dienstag, 10. August 2010

10. August 2010, noch 3 Tage....


Hallo,

jetzt ist es endlich soweit… am Freitag geht’s los nach Peru! Ich bin im Moment ziemlich im Stress. Irgendwie ist dann doch immer mehr zu tun als man dachte. Ich freu mich schon wenn ich dann endlich im Flugzeug sitze und den Stress hinter mir lassen kann.

Gestern bin ich von meinem 10-tägigen Vorbereitungsseminar zurückgekommen. Bevor es los ging, war ich echt gespannt und skeptisch was man 10 ganze Tage mit uns machen will. Außerdem fand ich es blöd, meine letzte Zeit im Kaff Helmarshausen in Hessen zu verbringen und nicht bei meinen Freunden und Familie sein zu können. Aber das Seminar war echt toll. Die Zeit verging wie im Flug. Wir hatten über die ganze Zeit ein sehr volles Programm. Es ging immer morgens um 9 nach dem Frühstück los und teilweise bis 23 Uhr abends. Insgesamt waren wir über 70 zukünftige Freiwillige die ins spanischsprechende Südamerika gehen. Zwischen vielen Vorträgen, von der „Anthroposophie“ bis zu „Gesundheitstipps“, haben wir in kleinen Gruppen, den so genannten Länderregionalgruppen gearbeitet. Das war sehr angenehm weil man so auch mal über länderspezifische Dinge reden konnte und alles viel vertrauter war.
Insgesamt hat mir das Seminar einen großen Teil meiner Angst genommen. Während der 10 Tage war ich überhaupt nicht aufgeregt. Was ja eigentlich komisch ist, weil ich die ganze Zeit mit diesem Thema konfrontiert war. Aber ich denke, dass meine Gelassenheit daran lag, dass alle Seminarteilnehmer das Gleiche wie ich vorhaben und es so nichts Besonderes war was ich mache. Ich hab gemerkt, dass die Aufregung immer dann kommt wenn ich mit Menschen über Peru rede, die hier bleiben. Und wenn man dann gesagt bekommt „boah, ist das aufregend und mutig“, kommt die Panik, weil man merkt dass es wirklich nicht alltäglich ist. Aber ich freu mich riesig. Es ist unvorstellbar dass ich schon in einer Woche zwei Arbeitstage hinter mir haben werde.

Ich meld mich dann von der anderen Erdhalbkugel :)
Liebe Grüße,
eure Sophie