ich bin jetzt seit zweieinhalb Monaten wieder in Hamburg und möchte mich zum Abschluss meines weltwärts-Jahres noch einmal bei euch melden. Am letzten Wochenende hatte ich mein Abschlussseminar was mit der Übergabe eines Zertifikats endete. Ich bin ganz schön stolz :)
Es tut mir sehr leid, dass ich mich die letzten Monate nicht mehr aus Peru gemeldet habe. Ich war zu sehr damit beschäftigt das Leben zu genießen und habe dadurch andere Dinge vernachlässigt.
Als ich im August letzten Jahres nach Peru aufgebrochen bin, hatte ich keine Erwartungen. Mir war schon längere Zeit klar, dass ich nach der Schule, nicht direkt ins Berufsleben, bzw. Studienleben starten wollte. Da ich gern mit Menschen zusammen bin und arbeite, und außerdem gerne etwas von der Welt sehen wollte, habe ich mich entschieden ein freiwilliges Jahr über das weltwärts-Programm zu machen. Davon, wohin es genau gehen sollte, hatte ich keine Vorstellung. Eigentlich reizten mich schon immer die asiatischen Länder und ich wusste dass ich da irgendwann mal hinreisen würde. Ich habe mich für meinen Freiwilligendienst aber bewusst gegen Asien entschieden, weil ich nicht eine Sprache, wie zum Beispiel Hindu, lernen wollte, die ich dann nur in diesem einen Land benutzen kann. Und Englisch interessierte mich noch nie so richtig.
Also entschied ich mich für ein südamerikanisches Land. Aufgrund der Projekte, standen Peru und Brasilien zur Auswahl. Ich entschied mich dann aufgrund der Sprache für Peru.
In Lima lebte ich mich sehr schnell ein. Wir waren 8 Freiwillige in dem Projekt, was den Einstieg denke ich leichter machte. Man hatte immer Personen um sich herum die das gleiche erlebten und immer jemanden zum reden. Die Einrichtung gefiel mir von Anfang an. Ich glaube, das Colegio San Cristoferus ist der grünste und schönste Ort im sonst so grauen Lima. Ich fühlte mich in meinem neuen Zuhause sehr wohl und von der Einrichtung gut aufgenommen.
Leider war ich schon nach nur wenigen Wochen sehr unzufrieden mit meiner Arbeit. Ich war sehr motiviert viel zu arbeiten und zu lernen. Der Lehrer mit dem ich zusammen arbeitete, ist aber eher eine sehr ruhige Person, die nicht unbedingt mehr macht als nötig ist. So kam es dazu dass das Tagesprogramm sehr locker war und es oft dazu kam dass die Schüler (und ich) rumsaßen und darauf warteten dass die Zeit umgeht. Und da ich gerade erst angekommen war und noch sehr zurückhaltend und unsicher, und außerdem kaum Spanisch konnte, traute ich mich nicht die Initiative zu ergreifen um mal Schwung in den Schulalltag zu bringen.
Was mich aber am meisten deprimierte, war, dass die anderen Freiwilligen in meinem Projekt sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und ihren Aufgaben waren.
Diese Unzufriedenheit beschäftigte mich einige Wochen lang und ich überlegte mich darum zu bemühen, meinen Arbeitsplatz wechseln zu können.
Ich entschied mich aber dagegen und wollte das Beste aus der Situation machen. Ich redete mit meinem Lehrer über den Schulablauf und er versprach mir sich künftig an das Programm zu halten. Das klappte zwar nicht wirklich, aber es wurde immerhin besser. Und nach einer Zeit war ich auch selbstbewusst genug mehr selbst in die Hand zu nehmen. Und es fing an dass die Arbeit richtig Spaß machte. Ich schloss meine Schüler immer mehr ins Herz.
Als die Sommerferien immer näher rückten erfuhr ich, dass mein Lehrer die Klasse verlassen würde um die Geschäftsführung der Schule zu übernehmen. Da es keinen Ersatzlehrer gab, wurde meine Klasse aufgelöst und ich „arbeitslos“. Anfangs hätte ich mir gewünscht in einer anderen Klasse arbeiten zu können. Aber als es dann soweit war, fiel es mir schwer und ich hätte am liebsten mit meiner Klasse und auch mit meinem Lehrer, weitergearbeitet.
Wo ich nach den Sommerferien arbeiten sollte war sehr lange Zeit noch nicht klar. Letztendlich entschied sich das zwei Tage bevor die Schule wieder losging.
Daran, dass alles immer so unorganisiert ist, musste ich mich erstmal gewöhnen. Hier in Deutschland läuft ja eigentlich alles nach Plan. In Peru musste ich dann halt fast drei Monate darauf warten, um zu erfahren wo ich das nächste halbe Jahr arbeiten werde.

Nach den Sommerferien arbeitete ich in einer Klasse wo die Kinder im Grundschulalter sind. Mit mir zusammen arbeitete noch eine andere Freiwillige. Die Arbeit war sehr anstrengend.
Ich wollte in dem Jahr eigentlich nicht mir Kindern arbeiten, weil ich mir das nicht zugetraut habe. Und wie erwartet fiel es mir sehr schwer. Der Schultag war viel chaotischer und stressiger als vorher in meinem ruhigen Salon mit den Erwachsenen. Die Kinder waren alle total aufgekratzt weil sie gerade aus drei Monaten Sommerferien zurückkamen und es auch viele neue Schüler gab. Die Lehrerin merkte auch schnell dass es so nicht geht. Man kam gar nicht dazu richtig zu arbeiten, weil wir nur damit beschäftigt waren, die Schüler die alle aufeinander losgingen voneinander zu trennen. Also wurde die Klasse aufgeteilt. Eine andere Freiwillige und ich übernahmen die Betreuung für die drei kleinsten Kinder. Die Arbeit lief in dieser neuen Situation schon viel besser, obwohl ich immer noch Schwierigkeiten hatte geduldig und ruhig zu arbeiten.
Ich bin sehr glücklich, dass ich die Zeit im Kindergarten gearbeitet habe. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung für mich gewesen und ich glaube dass sie mir im weiteren Leben hilft.
Auch außerhalb der Arbeit, war es ein sehr schönes Jahr für mich. Da vielleicht sogar noch schöner. Die Zeit mit den anderen Praktikanten war toll. Wobei sie anfangs im Weg stand um Peruaner kennen zu lernen. Aber mit der Zeit lernten wir dann doch alle eigene, peruanische Freunde kennen und waren nicht mehr die ganze Zeit nur unter uns. Dadurch dass wir zusammen in einer WG lebten, sahen wir uns aber trotzdem jeden Tag und es war unmöglich sich komplett von der „deutschen Welt“ abzuschotten. Für mich war es so aber eine gute Mischung.
Nach einem halben Jahr lernte ich meinen Freund kennen. Die letzten Monate verbrachte ich viel Zeit bei ihm und seiner Familie. So lernte ich das typisch peruanische Familienleben kennen. Ich glaube, das war für mich die wertvollste und schönste Erfahrung in diesem Jahr.
Der Abschied in Peru war um einiges schlimmer als der Abschied vor einem Jahr in Deutschland. Wobei er nicht so schlimm war wie ich ihn mir vorgestellt habe. In dem Moment wo es dann soweit war, war ich einfach emotionslos. Ich war nicht sehr traurig, aber auch nicht fröhlich nach Deutschland in mein zuhause zurückzukehren. Ich habe einfach nichts empfunden.
Die Wochen vor dem Abschied waren die schlimmsten glaube ich. Ich wollte so gerne die letzten Wochen, bzw. Tage genießen, ohne an danach zu denken. Aber der Gedanke an den Abschied verfolgte mich ununterbrochen. Es gab Tage da gab es keinen Moment in dem ich nicht daran dachte. Die allerletzten Tage waren dann emotional besser. Da empfand ich einfach gar nichts mehr. Wobei ich nicht weiß ob das unbedingt besser ist.
Nun bin ich seit mehr als zwei Monaten wieder zuhause. Ich wurde hier herzlich von meiner Familie und meinen Freunden empfangen. Das war sehr schön und half mir mich abzulenken.
Die ersten Wochen waren aber trotzdem nicht schön. Wenn ich nicht abgelenkt war, war ich mit meinen Gedanken in Peru. Außerdem fühlte ich mich nicht zuhause. Das ist komisch. In Peru war ich, allein durch mein Aussehen, nie wirklich zuhause. Und nun bin ich wieder in Deutschland, in meinem zuhause, aber fühle mich auch hier nicht heimisch. Ich stehe irgendwie zwischen den Welten.
Mittlerweile ist es aber schon etwas besser geworden und ich gewöhne mich langsam wieder an Deutschland. Bis ich aber richtig angekommen bin, dauert es sicherlich noch eine lange Zeit…
Eure Sophie