Sonntag, 24. Oktober 2010

Sophie auf Reisen

Ich bin wieder da! Nach einer wunderschönen Woche Urlaub…
Letzten Donnerstag war es endlich soweit, der letzte Schultag und damit der Beginn der ersten Ferien. Nach Schulschluss wurden noch schnell die letzten Sachen gepackt und dann ging es für Jule, Franzi, Eva, Katharina, Sandra, Elena und mich los. Die Bustickets hatten wir ein paar Tage vorher gekauft. Nach dem Kauf, hörten wir leider nur noch schlechtes von unserer Busgesellschaft (viele Unfälle, schlechtes Essen, etc...). Also war mir dann doch etwas mulmig zumute, zumal der Bus auch nicht besonders gut aussah.
Die fast 24-stündige Fahrt nach Cusco verlief aber gut, davon abgesehen dass es entweder zu kalt oder zu heiß im Bus war. Mit der Höhe (der höchste Pass war um die 5000 Meter) hatte ich glücklicherweise auch keine Probleme.
Nach unserer Ankunft ging es dann abends gleich ins cusquena Nachtleben. Ein Freund unseres Mitbewohners hier in Lima, wollte sich ein bisschen um uns kümmern, und nahm uns erstmal mit zu seinem Konzert. Da lernten wir ein paar andere coole Leute kennen, mit denen wir fast die ganze Woche verbrachten.

Wenn man schon mal in Cusco ist, muss man sich natürlich auch einige Inka-Ruinen angucken. So ging es am Sonntag zur Ruine Saqsaywamán, die oberhalb Cuscos liegt. Da der Eintritt sehr hoch ist, entschieden wir uns ganz früh morgens zu gehen wo noch niemand an der Kasse sitzt. Also wanderten wir um 5 Uhr nach einer durchfeierten Nacht zur Ruine um diese kostenlos zu besichtigen. Leider war das Wetter echt schlecht und wir hielten es völlig durchnässt nicht lange aus. Trotzdem war es ein schöner Ausflug! Und nach einer warmen Dusche und einem Frühstück im (überteuerten) Hostal, sah die Welt auch wieder gut aus :)

Nach drei Tagen in Cusco, fuhren Katharina und ich nach Santa Maria, um von dort aus zum Maccu Picchu zu wandern. Geplant war noch am selben Tag los zu wandern. Da wir jedoch erst am späten Nachmittag in Santa Maria ankamen (wegen einer Felssprengung war die Straße zwei Stunden gesperrt), lohnte es sich nicht mehr los zu wandern. Generell waren wir etwas überfordert, da wir keine Ahnung hatten wie und wie lange die Tour ist und wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Als wir nun so verloren im Dörfchen Santa Maria standen, lernten wir unseren Retter Daniel kennen. Er erzählte uns ein bisschen was über die Wanderroute und sagte, dass ein Freund am nächsten Tag mit einer Gruppe aufbrechen würde und wir uns da ja einfach anschließen könnten, was wir auch taten.


So im Plausch, erzählte Daniel, dass er abends noch mit zwei anderen auf dem Urubamba eine Raftingtour machen wolle. Wir schlossen uns kurzer Hand an. Es war echt lustig, wobei es manchmal nicht ohne war, wenn das Boot von einer Welle überspült wurde oder man auf einen Stein zuraste. An einer ruhigeren Stelle konnten wir auch baden. Dabei bin ich leider gegen einen Stein geknallt und habe mein Schienbein aufgeschlagen. Die Wunde war schon ziemlich tief und hätte, denke ich, eigentlich genäht werden müssen, was ich da aber ignorierte (ich wollte doch unbedingt wandern!!). Außerdem hätte es in diesem Dorf eh keinen Arzt gegeben….
Am nächsten Morgen, ging es dann mit einer Schmerztablette und zusammengebissenen Zähnen los. Bis Aguas Calientes, dem Dorf unterhalb von Maccu Picchu, wanderten wir zwei Tage. Dabei gings unter anderem durch Bergurwald, was schon ganz cool war. Leider konnten wir kaum Tiere sehen, was wahrscheinlich vor allem daran lag, dass wir mit einer großen Gruppe unterwegs waren und dementsprechend Lärm machten.
In Aguas Calientes verbrachten wir eine Nacht und wanderten morgens um 5 Uhr zum Maccu Picchu, um den Sonnenaufgang in der Ruine mitzubekommen, was sich auch echt lohnte. Nach einem schönen Tag, gings dann mit Bus und Bahn wieder zurück nach Cusco, wo wir noch zwei Tage verbrachten.


Die Rückfahrt verlief wieder super (diesmal mit einer anderen Busgesellschaft;)) und war über drei Stunden kürzer als die Hinfahrt. Das merkte man aber auch am Fahrstil: ich musste beim Schlafen meine Füße unterhaken um in den Kurven (es gab ungefähr 500 Millionen) nicht vom Sitz zu fallen. Während ich aus dem Fenster guckte und neben mir eine 2000 Meter Schlucht sah, fragte ich mich ob diese Busgesellschaft wirklich besser ist als die letzte…

Nun bin ich wieder in Lima und trauere ein bisschen den Ferien hinterher, die wirklich wunderschön waren!!!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Es ist wieder viel Zeit vergangen seit dem letzten Bericht. Das tut mir Leid!! Aber es ist echt schwer hier mal eine ruhige Minute zu finden. Man sitzt zwar schon oft am Computer, da wir hier ja wlan haben, aber meistens reicht die Ruhe dann nur um kurz mal Mails zu checken.

Zu erst einmal: mir geht es sehr gut!! Wie eigentlich schon die ganze Zeit. Ich warte immer schon darauf dass der Alltagstrott kommt und mich in ein Loch reißt. Aber so ist es nicht und das ist ja gut. Und vielleicht kommt dieses Loch ja gar nicht wie angesagt. Man kann ja auch mal die Ausnahme sein:)
Die Arbeit läuft auch gut. Anfangs war ich etwas unzufrieden, da der Schultag hier sehr locker abläuft, also dass es auch mal dazu kommen kann dass man sich die Zeit vertreiben muss. Damit konnte ich zuerst nicht umgehen, da ich hoch motiviert und voller Tatendrang hier ankam und dann etwas enttäuscht davon war, dass es halt auch mal Momente gibt in denen es nicht viel zu tun gibt und ich nicht unbedingt gebraucht werde.
Mittlerweile ist es so, dass ich mich denke ich zum einen an diesen lockeren Ablauf gewöhnt habe und zum anderen selber Sachen in die Hand nehmen kann wenn ich möchte. Also liegt es nun teilweise an mir was mit der Klasse gemacht wird. Das ist ja eigentlich sehr gut weil ich meine eigenen Ideen gut einbringen kann. Doch am Anfang war gerade das das Problem, da ich nicht damit gerechnet hatte mehr als nur Hilfskraft zu sein. Ich habe mir aber vorgenommen was aus meinen Freiheiten zu machen…

Nächste Woche sind erstmal Schulferien. Wir Freiwilligen haben in unserem Jahr insgesamt vier Wochen Ferien. Eigentlich war die Planung, dass wir die kompletten vier Wochen im Januar nehmen. Da ich aber unbedingt wandern möchte und im Januar Regenzeit ist, also schlechte Bedingungen in den Bergen sind, habe ich nun eine Woche Oktoberferien. Die meisten meiner Mitbewohner machen das ebenfalls so. Also geht es für uns nun in weniger als einer Woche auf zu unserer ersten großen Reise. Die Planung ist, dass wir am Donnerstag nach der Arbeit nach Cusco aufbrechen. Der Bus braucht in etwa 22 Stunden. Die meisten davon in den Bergen und in enormer Höhe. Mal schauen wie es uns ergeht.
Von Cusco aus wollen wir eine mehrtägige Wanderung machen. Die Strecke ist noch nicht klar. Da wir voraussichtlich zu acht sind, haben wir beschlossen in kleineren Gruppen zu wandern da es sonst einfach zu stressig wird. Mit wem ich dann unterwegs bin ist auch noch nicht klar.
Ihr merkt schon dass das alles ein bisschen ungeplant ist. Aber soviel planen kann man da auch glaube ich nicht. Die Reiseführer und Erfahrungsberichte erzählen auch alle was anderes über die verschiedenen Routen. Also werden wir einfach vor Ort gucken wie es weiter geht.
Abgesehen von der Wanderung möchte ich auf jeden Fall einige Tage in Cusco bleiben. Ob ich Maccu Piccu besuche weiß ich noch nicht, da es unglaublich touristisch und teuer ist. Da soll es einige genauso schöne Alternativen geben.
Ach ja…ich freu mich so!! Besonders auf meinen tollen neuen Wanderrucksack der jetzt endlich zum Einsatz kommt:D Das wird toll!!
In ein paar Wochen könnt ihr dann meinen, hoffentlich positiven Reisebericht lesen:)







Soo, und jetzt noch ein besonderes Erlebnis vom letzten Wochenende:
Caren, ebenfalls eine Praktikantin aus Deutschland, hat mich letzten Sonntag mit zu einem ihrer Projekte genommen. Es handelte sich um Hilfe in einem Armenviertel Limas.
Zusammen mit einer Schulklasse, die dieses Projekt unterstützt, ging es für uns morgens los ins Armenviertel Villa Maria. Die Armenviertel, genannt ‚pueblo jovenes’, befinden sich auf Hügeln rundherum um Lima. Sie werden jeden Tag größer, da tausende arbeitssuchende Menschen aus den Dörfern dazu kommen und ihr ‚Haus’ am äußersten Stadtrand aufbauen.
Normalerweise sieht man diese Hügel nur von weitem, da es keinen Grund gibt, bzw. einige dagegen, dort hinzufahren. Über das Projekt hatte ich nun die Möglichkeit dieses Leben einmal aus der Nähe sehen zu können.
Das letzte Stück bis zu unserem Ziel mussten wir zu Fuß gehen, da die „Straßen“ nicht für Busse geeignet sind. Die einzigen Verkehrsmittel die man jetzt noch gesehen hat waren Motos und vereinzelte Taxis.
Die „Häuser“ waren alle sehr schäbig. Es gab keine Steinhäuser, sonder kleine Hütten die aus allen möglichen Materialien zusammengesetzt waren. Die Dächer bestanden aus Wellblech. Das zu sehen ist irgendwie schon erschütternd. Ich kann obwohl ich es jetzt gesehen habe, immer noch nicht realisieren, dass viele Menschen so leben. Es ist auf jeden Fall bewundernswert. Die Verhältnisse sind so was von einfach. Es gibt kein fließend Wasser, die Hauswände, wenn es denn welche gibt, sind einige Millimeter dick, und das Nachbarhaus steht wenn’s hochkommt einige Meter entfernt.

Unser Projekt bestand darin eine Mauer aus Autoreifen an einen Hang zu bauen, um diesen zu stabilisieren und so einige Hütten vor Erdrutschen zu schützen. Wir arbeiteten Hand in Hand mit den „Dorfbewohnern“. Das war ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Generell habe ich mich sehr wohl gefühlt, was ich nicht gedacht hätte. Ich dachte, dass es sehr gefährlich und fremd für mich in diesem Viertel wird, da hier ja die ärmsten der Ärmsten leben. Es war aber überraschenderweise überhaupt nicht so. Ich habe mich sicherer gefühlt als in so manchem anderen Stadtteil von Lima. Außerdem habe ich mich willkommen gefühlt. Die Menschen haben mich nicht so angestarrt wie es sonst in Lima ist.
Ich habe das Gefühl dass die Gemeinschaft in diesen Dörfern sehr groß ist. Die Bewohner helfen sich gegenseitig, was in unserer Gesellschaft ja eher nicht der Fall ist. So ist es in Villa Maria so, dass sich die Bewohner jeden Sonntag treffen um an der Infrastruktur ihres Dorfes zu arbeiten. Da ich ja am Sonntag da war, konnte ich sehen wie das ganze Dorf auf den Beinen war und gearbeitet hat. Da wurde zum Beispiel ein Strommast aufgestellt und die Wege wurden von Schutt befreit. Die Stimmung war entspannt und locker. Damit hatte ich nicht gerechnet, da ich von viel Kriminalität und Gewalt und damit von eher schlechter Stimmung ausgegangen war. So war ich positiv überrascht und sehr beeindruckt, dass trotz harter Arbeit eine entspannte Stimmung in der Luft lag.